23 März 2017

Bericht „AIESEC Alumni im Gespräch: Leben und Arbeiten in Hongkong“ mit Thorsten Heidt, Frankfurt, 16.03.2017

Die Internationalität ist einer der Pfeiler im Selbstverständnis von AIESEC und spiegelt sich als Thema bei vielen AIESEC Alumni im Gespräch („AAiG“) wider. Gerade Berichte vom Leben und Arbeiten in anderen Ländern sind immer sehr gefragt. Nach Ländern wie Russland, Ägypten, Afghanistan, Jemen oder Myanmar stand diesmal mit „Hongkong“ ein vielleicht weniger exotisches, aber dennoch spannendes Land auf der Tagesordnung. Als Referent konnte Thorsten Heidt gewonnen werden, der als Managing Director für die Commerzbank fast fünf Jahre von 2011 bis 2016 in Hongkong gelebt und gearbeitet hat.

Thorsten ging auch auf die kulturellen Besonderheiten ein. Die Bevölkerung Hongkong setzt sich aus vielen verschiedenen Einwanderungsschichten zusammen. Während aus westlichen Ländern gerade Franzosen eine große Herkunftsgruppe stellen, selbst gegenüber den Briten, ist Hongkong natürlich auch ein Schmelztiegel für viele Asiaten aus allen Ländern der Region. Und dann sind da die Chinesen selbst, wobei gerade hier eine sehr große Pluralität herrscht. Nicht nur kommen die chinesischen Einwohner aus allen Regionen Chinas mit ihren großen Unterschieden, nicht nur bei der Sprache, wo das einheimische Kantonesisch gegen das gewichtigere Mandarin steht. Gerade auf die chinesischen Lebensläufe weichen oft von einander ab, denn viele jüngere Chinesen sind z.B. in Australien oder Kanada aufgewachsen und ausgebildet worden, wo ihre Eltern vor der Rückgabe Hongkongs an China Zuflucht gesucht hatten.

Interessanterweise ähneln sich dann aber trotz der unterschiedlichen Sozialisierung die Verhaltensweisen wieder. Hongkong ist eine Stadt, die sehr stark auf Erfolg gebaut ist, dessen Zeichen man dann auch stolz und nicht immer zurückhaltend zeigt. Teure Autos (trotz noch teurer Garagenmieten!), teure Bekleidung, edle Weine und protzige Uhren gehören dazu. Leider auch starke soziale Gegensätze, wie Thorsten einsichtig am Beispiel des harten Lebens vieler Hausmädchen beschrieb. Spannend waren auch die Kleinigkeiten bei den kulturellen Unterschieden, die im Alltag eine große Rolle spielen: Vom richtigen Überreichen der Visitenkarte bis hin zur Vermeidung von offener Kritik, damit niemand sein Gesicht verliert.

Besonders unterhaltsam waren Thorsten‘s Sprachvorführungen: zwar ging es nur um die richtige Aussprache seiner Wohnungsadresse, natürlich im Hochhaus, aber mangels Englischkenntnissen der meisten Taxifahrer doch überlebenswichtig. Und so kann nur die falsche Aussprache direkt mal in den falschen Stadtteil führen!

Schließlich kam Thorsten auch auf die Vor- und Nachteile des Ex-Pat-Lebens zu sprechen. Natürlich ist ein Aufenthalt in Hongkong für alle Familienmitglieder eine prägende Erfahrung, aber die Einschränkungen, z.B. für die Berufstätigkeit der Partnerin / des Partners oder die Eingewöhnung der Kinder, sollte nicht unterschätzt werden. Zumal dieses zweimal passiert, nämlich zusätzlich auch bei der Rückkehr nach Deutschland. Die Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen, aber in der Summe sind die vielen neuen Eindrücke und spannenden Erfahrungen auf jeden Fall viel wert.

Nach zwei spannenden Stunden endete die durch eine Grippewelle etwas reduzierte Runde, aber der Abend wurde mit weiteren Gesprächen bei einem Blick auf die nächtliche Skyline Frankfurts, als Ersatz auf die viel spannendere Skyline Hongkongs, fortgesetzt.

Wir danken Thorsten nochmals ganz herzlich für seine Ausführungen und den tieferen Einblick in das Leben und Arbeiten in Hongkong.