23 November 2016

Bericht „AIESEC Alumni im Gespräch: Konsum(enten)wandel“ mit Klaus-Jürgen Philipp, Frankfurt, 15.11.2016


Die Veränderungen des Konsumverhaltens nehmen einen großen Raum in der öffentlichen Wahrnehmung ein. Dies gilt insbesondere auch für Nahrungsmittel, wo gesunde Ernährung und eine Rückbesinnung auf regionale Produkte immer mehr Bedeutung gewinnen. Mit Klaus-Jürgen Philipp als Geschäftsführer von Rabenhorst wurde das jüngste AIESEC Alumni im Gespräch (AAiG) von einem sehr sachkundigen Alumni geführt, ist doch Haus Rabenhorst seit über 200 Jahren in der Getränkebranche aktiv und mit Marken wie „Rabenhorst“, „Rot-bäckchen“ und „3 Pauly“ führend bei hochwertigen Getränken und Lebensmitteln.

Nach einer kurzen Einführung begann Klaus-Jürgen mit seinem eigenen „AIESEC-Lebenslauf“, der ihn im LC Bielefeld nach kurzem Schnuppern postwendend auf den Posten des LCPs führte. In seiner zweijährigen Amtszeit gründete er u.a. auch das Kuratorium, des-sen Mitglied er noch heute ist. Außerdem bereicherten spannende Praktika in Dänemark und Bosnien seine AIESEC-Erfahrung. Als Alumni blieb und bleibt Klaus-Jürgen der AIESEC-Idee treu. So wirkte er u.a. sieben Jahre als Vorstand im damals noch AKD genannten Alum-nikreis, der unter seiner Ägide den heutigen Namen AIESEC Alumni Germany annahm. Be-ruflich führten Klaus-Jürgen verschiedene Stationen durch die Konsumgüterindustrie, seit 2008 als Geschäftsführer von Haus Rabenhorst in Unkel bei Bonn.

Als erstes stellte Klaus-Jürgen kurz das Unternehmensprofil von Haus Rabenhorst vor, das als relativ kleines aber stark wachsendes Familienunternehmen auf der einen Seite über eine mehr als hundertjährige Tradition in gesunden Getränken verfügt, auf der anderen Seite be-sonders gut positioniert ist für den aktuellen Wandel der Konsum- und Konsumentengewohn-heiten. Für Rabenhorst manifestiert sich dies u.a. in völlig neuen Vertriebswegen. Bestand bis 2006 ein Exklusivvertrieb mit den Reformhäusern (seit 1920!), so haben sich die Vertriebska-näle seither auf Apotheken, Naturkostläden, Supermärkte, Drogeriemärkte und gehobene Ge-tränkemärkte ausgeweitet. Dies spiegelt den Weg von gesunder Ernährung aus der Nische in die breitere Masse deutlich wider. Dazu kommt auch eine zunehmende Internationalität. Be-sonders eindrücklich für alle Teilnehmer war die Beschreibung von Klaus-Jürgen über den Markteintritt von „Rotbäckchen“ in den koreanischen Markt, der Dank eines Auftritts im dort sehr populären TV-Shopping aus dem Nichts zum größten Auslandsmarkt wurde - und das trotz des für koreanische Zungen schwer auszusprechenden Markennamens!

Im weiteren Verlauf des Abends stellte Klaus-Jürgen auch die Hintergründe dieser Entwick-lungen einsichtig dar. Die generelle Beschleunigung des Lebens über Digitalisierung und Globalisierung führt nicht nur aktuell zu Veränderungen im politischen Wahlverhalten, son-dern auch vielmals zu einem Rückzug ins Private. Auch die Empfindsamkeit steigt, was sich in steigenden Zahlen von Unverträglichkeiten und Allergien ebenso äußert wie im größeren Fokus auf Ernährung. So stieg der Anteil der sogenannten LOHAS („Lifestyle of Health and Sustainability) in Deutschland alleine in den vergangenen acht Jahren von 22% auf 28%. Die-ser Trends wird vor allem von jüngeren Konsumenten getragen.



Konkret in der Getränkeindustrie äußert sich die gesamte Entwicklung vor allem darin, dass gerade hochwertige Produkte das Marktwachstum antreiben. Klaus-Jürgen hatte hier ein-drucksvolle Zahlen für große Kategorien wie Mineralwasser und Limonaden parat. Besonders ausgeprägt sind dabei die Wachstumszahlen für Bio-Getränke, die zwar vielmals noch sehr kleine Marktanteile haben, aber stürmisch wachsen. So ist der Anteil von Bio-Lebensmittel an den gesamten Lebensmittelausgaben von 1.7% in 2004 auf fast das Dreifache (4.7%) in 2015 gestiegen. Natürlich kommt es hier auch zu Übertreibungen. Mit großem Schmunzeln stellte Klaus-Jürgen z.B. vor, dass es mittlerweile auch ein Bio-Mineralwasser gibt, natürlich nicht von Haus Rabenhorst. Auch exotische Produkte wie Kokoswasser sehen einen rasanten An-stieg, wobei sich in vielen Fällen die Frage nach einer Modewelle aufdrängt, die durchaus nicht nachhaltig sein muss.

Nachhaltiger sind dagegen Änderungen bei den Konsumgewohnheiten. So müssen heutzutage unterschiedliche Konsumentengenerationen unterschiedlich angesprochen werden. Zum einen ändern sich die Einkaufsgewohnheiten, wo immer wenige Supermarktbesuche stattfinden, aber auch Verzehrgewohnheiten Änderungen erfahren. So werden traditionelle Mahlzeiten immer mehr durch schnelle Snacks und Außer-Haus-Verzehr ergänzt. Hier setzte die Kost-probe einer 125ml Flasche mit „Rotbäckchen Lernstark“ einen sehr leckeren Schlusspunkt zu einer interessanten Präsentation von Klaus-Jürgen, die im Verlauf immer wieder von Fragen und Diskussionen geprägt wurde.

Nach zwei spannenden Stunden endete die große Runde, aber der Abend wurde mit weiteren Gesprächen rund um gesunde Ernährung, AIESEC und Sonstiges in der Lobby bei einem Blick auf die nächtliche Skyline Frankfurts fortgesetzt.
Wir danken Klaus-Jürgen nochmals ganz herzlich für seine Ausführungen und die praktische Kostprobe, die den knapp 20 Teilnehmern einen tieferen Einblick in dieses spannende Thema gegeben haben.