12 Mai 2016

Bericht „AIESEC Alumni im Gespräch: Digital Payment“ mit Patrick Diemer, Frankfurt, 12.05.2016

 

Die Diskussion um die Abschaffung des 500-Euro-Scheins oder direkt des gesamten Bargeldes geistert aktuell durch alle Medien. Und gleichzeitig wird viel über die Vereinfachung von elektronischen Zahlungen debattiert. Daher haben wir uns sehr gefreut, Patrick Diemer für ein AIESEC Alumni im Gespräch (AAiG) zum Thema „Digital Payment“ gewonnen zu haben. Patrick ist nicht nur ein sehr engagierter AIESEC-Alumni, sondern als Sprecher der Geschäftsführung von AirPlus International, dem zweitgrößten Emittenten der Welt für Firmenkreditkarten, auch ein ausgewiesener Experte zu diesem Thema.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde begann Patrick mit seinem eigenen „AIESEC-Lebenslauf“, der ihn nach einem ersten Schnuppern während des Grundstudiums in Kiel dann in das LC Hamburg und dort bis auf den Posten des LCPs führte. Die Zeit bei AIESEC brachte ihm nicht nur Spaß und Lebenserfahrung, sondern auch sehr gute Freunde und den Einstieg in das Berufsleben. Ein AIESEC-Praktikum bei einer finnischen Software-Firma mit dem Arbeitsgebiet „BTX“ (dem Vorvorgänger des Internets) war genau das, was sein erster Arbeitgeber in den USA suchte. Nach Stationen bei der Matuschka-Gruppe, der Commerzbank und bei VISA International führt Patrick nun seit 13 Jahren AirPlus International.

Patrick stellte in den folgenden Minuten kurz das Unternehmensprofil von AirPlus vor. Als Lufthansa-Tochter fokussiert sich AirPlus ausschließlich auf Firmenkunden und erleichtert seinen Kunden durch ein zentrales Abrechnungssystem aller Dienstreisekosten die Verbuchung und besonders auch die Kostensteuerung. Insgesamt nutzen die AirPlus-Kunden die ausgegebenen Kreditkarten für Ausgaben von fast 14 Mrd Euro pro Jahr.

Auch wenn aktuell noch Kreditkarten, und natürlich auch etwas Bargeld, das gängige Zahlungsmittel sind, so ist ganz offensichtlich, wie das Smartphone immer mehr diese Rolle übernimmt. Patrick brachte mit dem Bezahlsystem von Uber, das ganz unkompliziert und mit wenigen Klicks über das Smartphone funktioniert, ein einleuchtendes Beispiel in die Runde von 27 Teilnehmern. Und „Unkompliziertheit“ oder „Convenience“ ist DER Treiber der Entwicklungen. Weder Privatpersonen noch Firmen wollen sich über unbequeme und komplizierte Zahlungsvorgänge ärgern. Natürlich ist gerade im Zahlungsverkehr das Thema „Sicherheit“ weiterhin von größter Bedeutung, aber der Wettbewerb entscheidet sich auch auf dem Feld der Anwenderfreundlichkeit. Und hier gibt es viele neue Spieler. Laut Patrick war es früher klarer, wer die Konkurrenten sind, aber heute gibt es aufgrund der Massen von Apps (z.B. rund um das Thema „Reisen“) und Fintechs eine unüberschaubare Anzahl von Wettbewerbern.

Im Folgenden führte Patrick am Beamer vor, wie der Prozess einer Reisekostenbuchung bei AirPlus bereits vereinfacht worden  ist. Dank der Einspeisung der individuellen Unternehmenskonditionen dauerte die Buchung von San Francisco nach Stuttgart inklusive Flug, Mietwagen und Hotel weniger als zwei Minuten. Für diese Reiseausgaben muss der Kunde auch nicht mehr mühselig Belege sammeln, sondern sie werden dem Arbeitgeber durch AirPlus direkt zur Abrechnung und Verbuchung zur Verfügung gestellt. Ein ähnliches Beispiel für die Innovationsfreude der Branche bzw. konkret von AirPlus ist auch ein Pilotprojekt mit dem Frankfurter Flughafen, um die Abrechnung der Parkhausgebühren zu vereinfachen. Um die Ausgabe von Parkscheinen und die lästige Suche nach dem Kleingeld am Ticketautomaten zu sparen, sollen Kameras an der Einfahrtschranke über das Nummernschild die Parkgebühren abrechnen. Es gab ein großes Schmunzeln in der Runde, als Patrick erzählte, dass zu diesem Pilotprojekt auch der Versand einer SMS an den Reisenden gehört, damit er auch ohne Parkticket sein Auto nach der Rückkehr von der Dienstreise im Parkhaus wiederfindet. Auch wenn solche Pilotprojekte oftmals gegen Skepsis und Widerstände zu kämpfen haben, setzen sich solche Themen mittlerweile durch und wecken das Interesse weiterer Parkhausbetreiber.

Im weiteren Verlauf des Abends gab es eine sehr rege Diskussion zu vielen Facetten des Themas „Digital Payment“, sowohl zu kundenbezogenen, technischen als auch rechtlichen Chancen und Herausforderungen. Patrick betonte hier auch ganz deutlich, dass es im Augenblick unmöglich sei, sich auf EINE langfristige Vision festzulegen. Es ist unglaublich viel in Bewegung und so lassen sich sowohl technische Entwicklungen als auch die Geschwindigkeit ihrer Umsetzung schwer prognostizieren.

Nach zwei spannenden Stunden endete die große Runde, aber der Abend wurde mit weiteren Gesprächen rund um Digital Payment, AIESEC und Sonstiges in der Lobby bei einem Blick auf die nächtliche Skyline Frankfurts fortgesetzt.

Wir danken Patrick nochmals ganz herzlich für seine Ausführungen, die der Rekordzahl von 27 Teilnehmern einen tieferen Einblick in dieses spannende Zukunftsthema gegeben haben.