21 April 2017

Bericht „AIESEC Alumni im Gespräch: Blockchain“ mit Axel Apfelbacher, Frankfurt, 26.04.2017

Neben internationalen Themen wollen die AIESEC Alumni im Gespräch („AAiG“) auch immer wieder solche wirtschaftlichen Bereiche aufgreifen, in denen starke Änderungen bevorstehen. Mittlerweile scheint der Begriff „disruptiv“ zwar fast schon ein wenig abgenutzt, allerdings sollten die Auswirkungen nicht unterschätzt werden. So ist die Blockchain-Technologie bisher in der breiten Öffentlichkeit gefühlt nur als die Technologie hinter den berühmt-berüchtigten Bitcoins wahrgenommen worden. Aber die Einsatzmöglichkeiten sind weit vielfältiger und gerade am Finanzplatz Frankfurt einen genaueren Blick wert.

Mit Axel Apfelbacher konnte wieder ein AIESEC Alumni gewonnen werden, um in die Blockchain-Technologie einzuführen. Er begleitet das Thema, zuerst als Angestellter bei verschiedenen Banken und heute als Consultant für Fintechs und Digitalisierung, bereits seit mehreren Jahren. Axel war in den 90er Jahren u.a. als Finanzer im LC Bayreuth im gleichen Vorstandsjahr wie Harald Füner tätig, , der 2013 ein spannendes AAiG gestaltete.

Nach einer kurzen Einführung begann Axel mit einigen technischen Grundlagen der Funktionsweise der Blockchain-Technologie. Die Blockchain stellt eine verteilte Datenbank dar, bei der eine dauerhafte Synchonisation des jeweiligen Zustandes vorgenommen wird. Zur Verkettung der sich im Zeitablauf verändernden Zustände wird dabei auf das mathematische Verfahren der „Hash-Algorithmen“ zurückgegriffen. (siehe unten ein Beispiel für die „handliche“ Verschlüsselung von „AIESEC“ und „AIESEC!“). Solch ein Hash-String lässt sich auch aus den Daten eines Blocks in einer Blockchain erstellen und dieser fließt auch in die Verschlüsselung des nächsten Informationsblocks ein, so dass sich nach und nach aus den Blöcken eine Kette bildet. Somit war der Begriff „Blockchain“ schnell erklärt, aber fast genauso schnell kamen viele Fragen aus der Runde der 25 Teilnehmer: „Wie funktioniert das genau?“, „Wie sicher ist das?“ und vieles mehr.

Axel konnte einen sehr guten Einblick in die genauere Funktionsweise geben. Dabei interessierte alle Teilnehmer insbesondere die Sicherheitsthematik. Um eine Blockchain zu fälschen, wird u.a. immer der Hash-String des Vorgängerblocks benötigt, um die Informationen so zu verändern, dass die gesamte Kette an Blöcken umgeschrieben werden müsste. Dies mag in der Theorie noch funktionieren, wenn man aber die GESAMTE Blockchain verändern will, braucht man die Schlüssel ALLER Blöcke. Und das können z.B. im Fall der Bitcoins mehrere hunderttausend sein! Dazu kommt die dezentrale Speicherung und der damit einhergehende „Voting-Mechanismus“, über den eine Manipulation eines einzelnen Knotens einer Blockchain im Wege der Mehrheitsentscheidung devalidiert werden kann, als zusätzliche Sicherheitsstufe. Damit wäre die Frage der Sicherheit eher eine theoretische Herausforderung.

Eine Schwachstelle ist laut Axel eher die Möglichkeit, mit mehr als der Hälfte der sogenannten „Nodes“ Änderungen vornehmen zu können. Die grundsätzliche Änderung muss möglich sein, um zum Beispiel falsche Buchungen etc. korrigieren zu können. Allerdings muss hier sichergestellt werden, dass kein Missbrauch ermöglicht werden kann. Im Weiteren ging Axel auf verschiedene Einsatzmöglichkeiten ein, auch wenn sie aktuell noch sehr visionär klingen. So ist denkbar, sämtliche Verträge mittels eines Hash-Verfahrens zu verschlüsseln und so einfach in einer Blockchain zu lagern, da aus einem Hash-String nicht auf den ursprünglichen Ausgangstext geschlossen werden kann. Im Falle einer Vertragsstreitigkeit werden die beiden Versionen erneut verschlüsselt und nur die „ungefälschte“ Version erzielt den richtigen Code. Aus Axels Sicht ist dennoch damit mittelfristig zum Beispiel der Ersatz des Grundbuchs möglich, womit dann gegebenenfalls auch Notare obsolet werden. Solche Szenarien lassen sich auch für die Buchführung und Steuerfragen skizzieren, ganz zu schweigen von vielen Back-Office Prozessen in Finanzinstituten.

Wenig überraschend, dass sich viel Fragen der Teilnehmer anschlossen, welche Versuche denn schon mit Blockchain laufen? Axel konnte berichten, dass sich fast jedes größere Unternehmen, in der Banken- und Versicherungswelt teilweise auch in Allianzen, mit dem Thema beschäftigt. Konkrete Versuche erstrecken sich aber hauptsächlich auf innerbetriebliche Prozesse, denn gerade ein heikler Punkt der Technologie ist die Transparenz des Systems bzw. der Umgang mit den mittels einer Blockchain zur Verfügung gestellten Daten. Dies ist naturgemäß in einer Inhouse-Nutzung weniger schwierig zu lösen als im Außenverhältnis.

Natürlich schloss sich auch die Frage des „wann?“ an. Hier war Axels Antwort zweiteilig: die technische Machbarkeit für einen Einsatz in der realen Welt (in der Cryptocurrency-Welt gibt es ja bereits mehrere funktionierende Anwendungen) ist nicht mehr als zwei oder drei Jahre entfernt. Die aktuellen Herausforderungen drehen sich dabei um die Punkte „Transparenz“ und „Identitätsmanagement“. Deutlich schwieriger ist aber die rechtliche Rahmenlage, die natürlich deutlicher Änderungen bedarf, um die Technologie in ein funktionierendes und darauf ausgerichtetes Rahmenwerk einbetten zu können. Hier ist es laut Axel unmöglich, eine genauere Prognose zu geben, auch wenn “lange!“ recht vage klingt. Dazu kommt, dass die notwendigen technischen Änderungen, z.B. im Finanzsektor, sowohl durch die Kosten für einen notwendigen Parallelbetrieb von Legacy-Systemen als auch die Fixierung vieler IT-Verantwortlicher auf die klassischen Systeme gebremst werden.

Nach zwei spannenden Stunden endete die engagierte Runde, aber der Abend wurde mit weiteren Gesprächen bei einem Blick auf die nächtliche Skyline Frankfurts fortgesetzt.

Wir danken Axel nochmals ganz herzlich für seine Ausführungen und den Einblick in die Blockchain-Technologie.